„Familie ist, was man draus macht!“

„Familie ist, was man draus macht!“

„Familie ist, was man draus macht!“ – mit diesem Untertitel feiert das regenbogenbunte Musical „Wir“ Premiere im Schmidtchen. Die beiden frischverheirateten Pärchen Nathalie und Sabine sowie Magnus und Christian wünschen sich nichts sehnlicher als ein Kind. Doch für Homosexuelle gibt es da Hürden.

Leihmutterschaft? Adoption? Samenspende? Oder die beste Freundin fragen? Im LGBT-Begegnungszentrum treffen die beiden Paare aufeinander und kommen auf die verrückte Idee, zu viert eine Familie zu gründen. „Ich mag die Vorstellung, dass Familie nicht nur Mutter, Vater, Kind ist, sondern dass Freunde zur Familie werden können“, sagt Franziska Kuropka, die die Idee für das Stück hatte und die Texte geschrieben hat. „In ,Wir‘ geht es um menschliche Beziehungen und darum, wie sich Familien finden.“

Sechs Darsteller bilden das Ensemble und müssen sich die enge Garderobe im Schmidtchen teilen. Doch meist sind eh alle auf der Bühne, liefern erstklassige humorvolle Dialoge oder tanzen zu poppiger Synthie-Musik. Die hat Lukas Nimscheck, den viele als Sänger der Kinderband Deine Freunde kennen, komponiert. „Wir haben keine Band. Also habe ich die Not zur Tugend gemacht und alles mit Synthesizer arrangiert“, sagt der 30-Jährige. „Da wir einen Musical-Nebenkanal bedienen, gibt es keine musikalischen Regeln.“

Das Thema des Stücks ist für Nimscheck, der im vergangenen Sommer seinen Verlobten geheiratet hat, ziemlich aktuell: „Wir wollen gern ein Kind haben, aber bei uns gibt es kein tolles lesbisches Paar. Wir müssen das anders angehen.“ Die Überlegungen kriegte natürlich Franziska Kuropka mit, denn die beiden wohnen seit sechs Jahren zusammen. Einige Szenen und Dialoge sind am Abendbrottisch entstanden oder sogar autobiografisch. „Wir sind keine Zweck-WG, sondern frühstücken jeden Tag zusammen, fahren auch mal gemeinsam in den Urlaub“, sagt Kuropka. Daran werde sich wohl auch mit Kind nichts ändern. Die Autorin: „In der heutigen Gesellschaft ändert sich das Familienbild. Wir leben in einem toleranten Land. Das müssen wir zelebrieren!“

Visuell geschieht das in „Wir“, indem erst alles grau beginnt: graue Wohnungen, graue Möbel, graue Deko. Am Ende wird alles kunterbunt in allen Farben des Regenbogens. Regisseur Lukas Nimscheck hat sich in die Produktion richtig reingekniet: „Ich bin sehr fleißig, habe mir ein Konzept überlegt und ein Pappmodell von Bühne und Kulisse im Maßstab 1:25 nachgebaut. So konnte ich jede Szene mit kleinen Figürchen genau visualisieren.“ Und die Charaktere haben Nimscheck und Kuropka extra bodenständig und normal angelegt: „Am Ende sollen die Besucher rausgehen und denken: ,Mit denen würde ich gern mal einen saufen.‘“

Schmidtchen: 11.4., 19.30 Uhr (Uraufführung), div. Termine und Zeiten bis 15.6., 25-38 Euro

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