
Wenn die Französische Revolution Fantasy wäre …
Das Reich Sarresant steht kurz vor einer Revolution. Verarmte, hungernde Bürger begehren gegen die reichen, luxusverwöhnten Adligen auf. Ein Mann schmiedet ein Komplott, zieht die Massen mit merkwürdiger Magie in seinen Bann. Und dazwischen kämpfen die junge Künstlerin Sarine, die Feldherrin Erris und ein Stammeswächter der Ureinwohner ihre eigenen Kämpfe. David Mealing ist mit „Die Seele der Welt“ ein ungewöhnliches, überraschendes Fantasy-Debüt gelungen.
Beim Lesen merkt man, dass er Philosophie, Politik und Wirtschaft studiert hat, denn genau darum dreht sich die Handlung: Es geht um Menschenrechte, darum, ob wirklich alle gleich sind oder sein sollten. Es geht um Kolonien, um Eroberungskriege und Revolution. Eine Revolution, die stark an die Französische Revolution erinnert. So beschwören die Aufständischen „égalité“, die Figuren haben französische Namen und sprechen Französisch, Rebellen werden mit Guillotinen enthauptet. Diese Anspielungen bettet Mealing in ein Fantasy-Setting.
So tauchen Götter auf und Magiebegabte; Kraftlinien („Ley-Linien“) geben denen, die sie nutzen können, unterschiedliche Fähigkeiten, seltsame Echsen statten ihre menschlichen Schützlinge mit besonderen Fähigkeiten aus und wilde Tiergeister schenken dem Jäger nach ihrem Tod ihre Gaben. So haben die verschiedenen Parteien unterschiedliche Kräfte, die in Kämpfen aufeinanderprallen. Und erst nach und nach entfaltet sich dem Leser das gesamte Bild, das Mealing in dutzenden Verstrickungen kreiert. Ein meisterhaftes Epos, das nach seiner Fortsetzung schreit.
David Mealing: „Die Seele der Welt. Linien der Macht 1“, Piper, 816 S., 25 Euro