Verweile doch, du bist so schön!

Verweile doch, du bist so schön!

Benjamin von Stuckrad-Barres autobiografischer Roman „Panikherz“ beschreibt schonungslos von seinem Aufstieg zum gefeierten Popliteraten und Absturz in Drogen, Bulimie und Depression. Ebenso schonungslos wirkt die kahle Bühne des Thalia-Theaters, die mit der offenen Hinterbühne eine beunruhigende Tiefe bekommt. Die Darsteller finden sich in der Inszenierung von Christopher Rüping bloßgestellt im Rampenlicht wieder, hadern mit dem Text. Keiner und alle sind von Stuckrad-Barre, rezitieren abwechselnd Passagen, tauchen in Szenen ein. Dadurch entsteht eine Entgrenzung, eine Auseinandersetzung mit der Sucht-Thematik, mit Aufstieg und Verfall. Äußerst beklemmend erleben die Zuschauer seine Drogentrips, die Achterbahnfahrt der Empfindungen zwischen knallbunten Feiern – dann prangt in Neonschrift das Faust-Zitat „Verweile doch! Du bist so schön!“ über der Szenerie – und düster-einsamen Augenblicken des bulimischen Kotzens, des Entzugs. Im ersten Teil der fast dreistündigen Inszenierung ist ein asiatischer Udo Lindenberg beinahe omnipräsent im Hintergrund, taucht in wichtigen Momenten auf und hilft dem völlig zerstörten Suchtkranken. Im zweiten Teil holt Sebastian Zimmler als von Stuckrad-Barre zwei junge Frauen auf die Bühne, mit denen er nacheinander in gemütlichen rosa Sesseln anstößt und eine raucht, dabei sein Leben reflektiert und analysiert. Er brilliert mit einer perfekt nachgeahmten hibbelig-hyperaktiven Art und charmant-spontanem Umgang mit dem Publikum. Völlig zu Recht bekommt das Ensemble fast eine Viertelstunde lang Applaus.

Foto: Krafft Angerer

 

Foto: Krafft Angerer

Thalia Theater: 21. und 23.3., 7., 8. und 18.4., 6.5. und 8.7., Alstertor, Karten 7,50-38 Euro

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