Aus der Trauer auf die Bühne

Aus der Trauer auf die Bühne

Die meisten kennen ihn als coolen Linkin-Park-Gitarristen und Co-Sänger, verantwortlich für die Rap-Parts der Nu-Metal-Truppe. Doch nach Chester Benningtons Tod fiel Mike Shinoda (42) in ein Loch, musste seine Welt für sich wieder ordnen. Dabei hat er Songs geschrieben, die ihm geholfen haben, den Verlust seines Freundes zu verarbeiten. Nun kommt Shinoda solo auf Tour – und spricht im MOPOP-Interview über den Weg, den er zurückgelegt hat.

Foto: Maddocks

Warum hast du nach Chesters Tod angefangen, Songs zu schreiben?

Mike Shinoda: Ich verarbeite schwierige Sachen, indem ich kreativ werde – sei es indem ich male, zeichne oder Musik mache. Als ich angefangen habe, waren die Songs wie eine Art Tagebuch für mich. Erst wollte ich sie gar nicht veröffentlichen. Aber dann habe ich gemerkt, dass ich eine Geschichte erzähle – meine Geschichte. Diese wollte ich mit anderen Menschen teilen, denn sie beantwortet viele Fragen. Außerdem wollte ich anderen Menschen helfen.

Mit deinen Songs hast du Linkin-Park-Fans geholfen. Was war der Hauptgrund, das Album zu veröffentlichen?

Das Album ist nicht nur für Linkin-Park-Fans, sondern für alle. Viele Fans hatten eine enge Verbindung zu der Band und waren von Chesters Tod ziemlich mitgenommen. Aber auch andere Leute haben Menschen verloren – Vater, Mutter, Bruder, Schwester. Viele haben mir erzählt, wie sehr sie sich mit meinen Songs und Gefühlen identifizieren können. Genau deshalb habe ich die CD herausgebracht. Als ich fertig war und zurückgeschaut habe, war das total merkwürdig: Ich war gedanklich so weit vom ersten Song entfernt. Ich dachte: Wow, das fühlst du gerade gar nicht mehr. Das war ein gutes Gefühl, weil ich weit gekommen bin. So geht es mir immer noch. Ich habe monatelang getourt, bin immer weitergegangen.

Wie hilft dir Musik bzw. wie helfen dir diese Songs aus der Trauer?

Für mich ist es so, als würde ich meine Gefühle in die Songs packen. Dadurch werden die schlimmen Dinge für mich wenige schlimm und angsteinflößend.

Foto: Maddocks

Wie fühlst du dich jetzt, anderthalb Jahre nach Chesters Tod, wenn du an ihn denkst?

Ich bin dankbar, dass wir gemeinsam so viele gute Jahre verbringen durften. Er war unglaublich talentiert – einer der besten Sänger, die ich je gehört habe. Chester wusste gar nicht, wie gut er war. Wir saßen oft zusammen und haben gespielt. Ich habe dann gesagt, dass er einen Song wie jemand anders singen soll, z.B. wie Dave Grahan von Depeche Mode oder Adele oder Robert Plant. Das war Rumgeblödel. Aber Chester konnte all diese unterschiedlichen Stimmen nachmachen und wir haben gelacht. Er war echt begabt und wir hatten Spaß zusammen. Gleichzeitig war er getrieben; er wollte immer 100 Prozent geben, besonders, wenn er auf der Bühne stand.

Jetzt hast du schon einige Konzerte gegeben. Wie war es für dich, das erste Mal ohne Chester auf der Bühne zu stehen?

Die erste Show ist etwa ein Jahr her. Die habe ich komplett allein gespielt, denn ich wusste, dass mich das sehr mitnehmen würde. Ich wollte allein sein und nicht einfach automatisch mit anderen Bandkollegen auf die Bühne gehen. Und so waren die Konzerte ein bisschen wie in meinem Heimstudio, um herauszufinden, wie sich das anfühlt. Es war total komisch und aufwühlend. Die Show war großartig, der Sound war super, aber trotzdem war das skurril. Mittlerweile habe ich zwei Musiker engagiert. Aber wir wollen es anders machen; es soll nicht zu viel Ähnlichkeit mit Linkin Park oder Fort Minor haben.

Mit Linkin Park war alles groß. Solo startest du kleiner. Was gefällt dir besser?

Dass Linkin Park so groß war, dass wir das machen konnten, war ein Geschenk. Aber gerade merke ich, dass kleine Shows gut und gesund für mich sind. In kleinen Shows kann ich z.B. einfach die Reihenfolge der Songs tauschen. Ich kann alles ändern, ohne das mit andern abzusprechen. Wenn wir bei Linkin Park eine Anfrage hatten, dass einer unserer Songs in einem Film auftauchen soll, waren wir sechs Jungs, die eine gemeinsame Entscheidung treffen mussten. Fünf waren dafür, einer dagegen – da war alles viel komplizierter. Das vergangene Jahr habe ich gebraucht. Ich habe es gebraucht, mein eigenes Ding durchzuziehen, die Kontrolle zu haben, Zeit zu haben. Es tat gut, das zu tun, was ich wollte.

Wie geht es jetzt weiter? Solo oder mit anderen Bandprojekten?

Noch habe ich keinen genauen Plan. Ende März beende ich meine Solo-Tour. Davor habe ich ein bisschen Songwriting und Producing für andere Künstler gemacht. Das werde ich weitermachen. Ich treffe mich regelmäßig mit den Jungs von Linkin Park. Wir reden so über dies und das. Aber noch gibt es nichts Spruchreifes.

Sporthalle: 8.3., 19.30 Uhr, 50 Euro

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