„Ich kenne seinen Geruch!“

„Ich kenne seinen Geruch!“

Seit 35 Jahren stehen sie gemeinsam auf der Bühne, spielen sich perfekt die Pointen zu: Jan-Peter Petersen (60) und Nils Loenicker (59) sind ein tolles und schlagfertiges Team, das als Kabarettduo Alma Hoppe auch das gleichnamige Lustspielhaus betreibt. Im MOPO-Interview sprechen die beiden über ihre Beziehung, Pannen und das schönste Gefühl.

Sie stehen seit 35 Jahren gemeinsam auf der Bühne. Inwiefern sind Sie wie ein altes Ehepaar?

Jan-Peter Petersen: Wir kennen uns mit unseren Höhen und Tiefen.

Niels Loenicker: Ich kenne seinen Geruch. (lacht) Es gibt wenig Überraschendes. Wir können uns 100 Prozent aufeinander verlassen.

Was ist die größte Macke Ihres Partners?

Petersen: Nils‘ größte Macke ist gleichzeitig gut für mich, denn er ist sehr pingelig. So ist die Garderobe immer schön aufgeräumt.

Loenicker: Ich finde, man muss die picobello hinterlassen. Jan-Peters größte Macke ist, dass er immer vor mir da ist.

Petersen: Stimmt, deine Unpünktlichkeit nervt! (lacht)

Loenicker: Es ist eine Unart, zu früh da zu sein.

Und welche Stärke hat Ihr Partner?

Petersen: Nils schafft es, mich auf der Bühne zum Lachen zu bringen. Wir haben nicht wie Schauspieler einen festen Text, sondern können Nuancen verändern.  Nils lebt das und überrascht mich. Für das Publikum ist das etwas Besonderes.

Loenicker: Dadurch ist jeder Abend anders und es wird nicht langweilig. So haben wir auch nach 60 Vorstellungen noch Lust. Jan-Peter ist genial darin, Texte zu schreiben und umzuarbeiten. Er schreibt astreine Dialoge, sodass wir beide Pointen haben. Meist gibt es bei Kabarettduos einen Dummen und einen Schlauen. Das ist bei uns nicht so.

Hatten Sie denn auch mal eine Art Ehekrise?

Petersen: Als sich unsere Lebensperspektiven geändert haben und wir unterschiedliche Ziele hatten, haben wir uns auseinanderentwickelt. Aber wir haben das gut hingekriegt. Man muss sich nur abstimmen.

Loenicker: Lebenspläne ändern sich. Uns hält das Lustspielhaus zusammen. Wir tragen Verantwortung für die Mitarbeiter. Das ist unser Motor.

Was war das Peinlichste, das Ihnen auf der Bühne passiert ist?

Petersen: Ich bin einmal von der Bühne gefallen. Der Saal hat die Luft angehalten.

Loenicker: Es war ein Riesenglück, dass nichts passiert ist. Wirklich peinlich war: Wir sind mal nach einer längeren Pause mit Gastspielen wieder im Lustspielhaus aufgetreten. Zu der Zeit haben wir parallel zwei Programme gespielt. Unser Techniker hatte das falsche Bühnenbild, also für das andere Programm, aufgebaut. Wir haben das nicht gemerkt und das Programm, zu dem die Requisiten gehörten, gespielt. In der Pause kam ein Ehepaar zu uns. Sie sagten, sie würden das Programm schon kennen und wollten eigentlich das andere sehen. Dann haben wir dem Publikum Freikarten für das richtige Programm gegeben.

Petersen: Damals war das peinlich, heute lachen wir darüber.

Loenicker: Ja, das war ein Kracher. (lacht)

Inwiefern hat sich Kabarett verändert?

Petersen: Das Konzept ist anders geworden. Wir haben immer politisches Kabarett mit komischen oder komödiantischen Texten gemischt. Anfangs haben uns das Kritiker übelgenommen. Einige fanden das Komödiantische gut, aber den „Politscheiß“ nicht, anderen gefiel das Politische gut, aber der Rest sei „Blödsinn“. Heute dominiert dieser Mix aus Entertainment und Politischem.

Loenicker: Der reine Comedyhype ist wieder rückläufig. Viele Kollegen entwickeln sich vom Comedian zum Kabarettisten. Das Publikum hat Bock auf intelligente Witze. Denn auch die alltäglichen Gespräche sind politischer.

Petersen: Manche Themen sind seit 30 Jahren gleich: Arbeitslosigkeit, Umweltpolitik, Nazis, Einfluss der Rechten. Aber damals plätscherten solche Themen vor sich hin. Heute weiß jeder – wenn auch nicht wofür – so zumindest wogegen er ist.

Nun erwarten uns zwei Monate Jubiläumsfestprogramm. Was sind Highlights?

Petersen: Die Gala wird für uns sehr schön, weil viele Kollegen kommen. Das ist für uns wie ein Familientreffen. Aber wir haben viele Highlights.

Loenicker: Dass die Söhne Hamburgs bei uns auftreten ist ein Geschenk für uns, weil wir sie kennen. Die spielen sonst in der Barclaycard Arena. Wir freuen uns auch auf Kollegen, die von Anfang an dabei sind, auf Stammgäste, die zurückkommen und auf Neues.

Petersen: Das Größte ist, selbst auf der Bühne zu spielen.

Loenicker: Das Gefühl ist schwer zu toppen.

23.3., 19 Uhr, Geburtstagsgala, 27-31 Euro

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.