Hier tanzt der Schwan

Hier tanzt der Schwan

Es ist eines der bekanntesten Ballette überhaupt: Schwanensee. Doch wirklich beeindruckend ist vor allem die Inszenierung vom Ballett-König John Neumeier, wie sie gerade Wiederaufnahme in Hamburg feiert. In „Illusionen – wie Schwanensee“ mischt Neumeier den bekannten Stoff um Prinz Siegfried und die verzauberte Schwanenprinzessin Odette mit der Geschichte von König Ludwig II.. Dadurch bekommen die Figuren neue Tiefe, sodass das Ballett kein einfaches Märchen mehr ist, sondern eine psychologische Betrachtung.

Wer keine Ahnung von Schwanensee hat: In der Geschichte geht es um unverwirklichbare Liebe. Prinz Siegfried trifft bei der Jagd auf Prinzessin Odette, die ihm erzählt, sie sei von einem bösen Zauberer in einen Schwan verwandelt worden. Erlösung findet sie nur, wenn ihr ein Mann ewige Treue schwört. Die beiden verabreden sich abends zum Tanz, bei dem Siegfried seine Braut auswählen soll. Doch der böse Zauberer kriegt das mit und schleust seine Tochter auf das Fest. Siegfried lässt sich blenden und schwört der Falschen ewige Treue. Als er den Irrtum bemerkt, läuft er verzweifelt zum See (schließlich hat er Odette nicht erlöst), wo er ertrinkt.

John Neumeiers Inszenierung beginnt jedoch bedrückend lautlos, in einem Verlies. König Ludwig II., Bayerns Märchenprinz und Bauherr von Schloss Neuschwanstein, wurde während eines Festes für wahnsinnig erklärt und festgenommen. In der kargen Einsamkeit begegnet ihm ein unheimlicher Mann im Schatten, der sich jedoch entzieht, ehe der König ihn fassen kann. Stattdessen entdeckt er ein Modell für eines seiner Schlösser und versinkt in Erinnerungen.

Fantastisch, wie Edvin Revazov den König verkörpert. Ausdrucksstark bringt er dessen Leid, Zerrissenheit und Weltflucht auf die Bühne. Der Kontrast zwischen dem dunklen Kerker und den bunten, opulenten Erinnerungen (dann werden die traditionellen Ballette aus „Schwanensee“ getanzt) sind beeindruckend, fesselnd. Als Zuschauer leidet man mit Ludwig mit, versteht, warum er sich sogar seiner Verlobten Natalia entzieht. Dieses Schwanken zwischen Wirklichkeit und Traum machen das Ballett zu einem Gefühlskarussell, das in seiner Tragik tief berührt.

Und doch gibt es immer wieder Momente zum Aufatmen, zum Lächeln: Wenn sich der König in seinen Fantasien verliert und die Zuschauer mit ihm die Schwanenkönigin tanzen sehen, die von Anna Laudere hingebungsvoll und unglaublich filigran verkörpert wird.

Für Ballett-fans ohnehin ein Muss, doch auf für Neulinge ist „Illusionen – wie Schwanensee“ ein toller Tipp. Um sich begeistern und berühren zu lassen.

Großes Haus (Dammtorstraße 28): ab 8.4., Karten 7 bis 119 Euro

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