Eine Frage der Moral

Eine Frage der Moral

Mit „Das Erbe“ liefert Ellen Sandberg (das Pseudonym der Münchner Autorin Inge Löhnig) erneut eine spannende, aufwühlende Familiengeschichte, die sich mit den Naziverbrechen, wie wir mit dieser Vergangenheit umgehen und dementsprechend auch mit Moral beschäftigt.

Zur Story: Mona Lang erbt unerwartet von ihrer Großtante das „Schwanenhaus“, einen Prachtbau in München-Schwabing. Über Nacht Millionärin – ein Traum. Doch hat Tante Klara Mona das Haus mit dem Zusatz vermacht, dass sie „das Richtige tun“ werde. Nur, was ist das Richtige?

Mona beginnt zu forschen. Je tiefer sie gräbt, desto mehr scheinen sich die Gräueltaten und Schikanen der Nazis gegenüber Juden mit dem Schwanenhaus zu verbinden. Zur gleichen zeit findet eine andere Frau in Hamburg heraus, dass sich um ihre Großmutter und ihren Vater ein Geheimnis rankt …

Bereits in „Die Vergessenen“ hat Ellen Sandberg bewiesen, dass sie es meisterlich beherrscht, die NS-Verbrechen mit der heutigen Zeit zu verweben und zu einer dichten, verwinkelten, spannenden und erschütternden Geschichte zu weben. Ebenso dicht und packend hat sie „Das Erbe“ konstruiert: Eine Geschichte, die einen nicht mehr loslässt, so aufwühlend ist sie.

Besonders, weil es sich so zugetragen haben könnte. Weil es Tausende Fälle gibt, die so oder ähnlich tatsächlich passiert sind. Weil die Autorin mit Briefen und Zeitsprüngen arbeitet. Und weil das Buch die Frage aufwirft, wie man selbst mit so einer Verantwortung, mit der grausamen Vergangenheit, umgehen würde. Nicht nur lesenswert, sondern geradezu ein Muss!

Ellen Sandberg: „Das Erbe“, Penguin, 512 S., 15 Euro

 

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