Im Schmidt geht’s ab wie eine Rakete

Im Schmidt geht’s ab wie eine Rakete

Hamburg hat einen neuen Kindermusical-Kracher: „Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ ist noch bis Mitte Januar im Schmidt Theater zu sehen. Qultur-HH war zu Besuch bei den Proben im Räuberwald.

Mehrere riesige Holztannen stehen auf der Bühne, in der Mitte liegt der Räuber Hotzenplotz (Götz Fuhrmann) mit zotteligem Bart und Federhut in einem Zuber und träumt vom Räuberhimmel. Zu beschwingter Gitarrenmusik singt er rotzig-rau, wie schön es ist, sich endlich von all dem Stress zu erholen. Denn so ein Räuberleben ist ganz schön anstrengend: Ständig muss er stehlen. Um ihn herum tanzen und hüpfen Kasperl, Seppel und die Großmutter als seine Diener.

Schon jetzt sind die Tanzschritte super synchron; das Lied kann ohne Unterbrechung durchgeprobt werden. Erst bei einer Szene, in der die Witwe Schlotterbeck, eine „staatlich geprüfte Hellseherin“, ihren Zaubertrank kochen will, hapert es etwas. Denn weil Susi Banzhaf eine Doppelrolle hat, muss sie schnell das Großmutter-Kostüm gegen das der Zauberin tauschen – und das dauert noch zu lange. Aber wie das im Schmidt Theater nun mal ist, blödeln alle anderen in der kurzen Pause rum, proben dann fokussiert und mit Freude weiter.

Das geht auch gar nicht anders, denn Martin Lingnau (u.a. „Heiße Ecke“, „Der kleine Störtebeker“) hat mitreißende Ohwurmsongs geschrieben, die gute Laune bereiten. Klar, dass dann auch bei den Proben gelacht wird. „Ich lache oft über die ganz simplen Dinge am meisten, zum Beispiel wenn sich der Dimpfelmoser den Daumen in der Gefängnistür klemmt“, sagt Regisseurin Carolin Spieß (u.a. „Die Weihnachtsbäckerei“, „Der kleine Störtebeker“). „Ich benutze selten Ironie oder Sarkasmus. Ein Kindermusical muss altersgerecht sein. Kinder sind unheimlich gerecht und automatisch auf der richtigen Seite, das unterstütze ich.“

Und mit Hotzenplotz kennt sich die blonde Powerfrau ohnehin bestens aus, denn 2016 brachte sie die „normale“ Hotzenplotz-Geschichte auf die Bühne. „Ich habe mich so viel mit dieser Figur beschäftigt, dass es wie ein Wiedersehen mit einem lieb gewonnenen Bekannten ist“, sagt Carolin Spieß. „Herausfordernd ist, dass er trotzdem der böse Räuber bleibt.“ Denn natürlich ist Hotzenplotz auch in der Mondraketen-Geschichte fies: Da bricht er doch einfach aus dem Gefängnis aus und isst die Schwammerlsuppe der Großmutter auf. Samt Knödeln und Speck! Für Kasperl und Seppel hört da der Spaß auf. Am liebsten würden sie den Räuber auf den Mond schießen …

Die Geschichte ist etwas ganz Besonderes, denn sie wurde erst vor zwei Jahren entdeckt. Susanne Preußler-Bitsch, die Tochter von Hotzenplotz-Autor Otfried Preußler, veröffentlichte sie als Buch und gab das offizielle und exklusive Okay, dass die Schmidt-Crew ein Musical daraus stricken dürfe. Mit Sicherheit eines der besten und spaßigsten Weihnachtsmärchen in Hamburg diesen Winter, bei dem die Stimmung durch die Decke gehen wird.

Schmidt Theater: 26.10.19-12.01.20, Kinder (bis 14) ab 13 Euro, Erwachsene ab 22 Euro

 

 

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